Alle löffeln stumm – die Esstischszene

Auszüge aus der Szene zum Generationenwechsel, ausgehend von den Gesprächen im Village-Play-Findungskomitee, neu verteilt und redigiert von Katalin, gelesen von Heike Eggersgluess-Möller, Leonard Hyfing, Herbert Imig, Eckhard Krause, Werner Marquard, Svantje Nissen, Birgit Prigge, Simone Rowedder, Susanne Schienke, Ina Sommermeier

Der Tisch ist gedeckt mit Suppentellern, Löffeln und Gläsern. Alle löffeln stumm und synchron.
 

Simone: Mein Vater, er ist sehr eigen.

Herbert: Bei Konflikten habe ich nachgegeben, weil er ja auch die Arbeitskraft ist. Das beste Pferd im Stall.
Svantje: Ich weiß nicht, was ich dazu beitragen kann, weil wir in keinem Mehrgenerationenhaus wohnen. Würde es nach meiner Schwiegermutter gehen, würden wir schon in einem wohnen, davon träumt sie…
Eckhard: Dinge, die ich damit in Zusammenhang bringe, sind Wörter wie: Unterstützung, Zusammenhalt, Wachsen, Vertrauen und gemeinsames Erleben. Nur positive Dinge, natürlich, das finde ich sehr wichtig an dieser Stelle.
Susanne: Das brauche ich gar nicht, ich fahre weg. Du kannst schimpfend  dastehen und ich fahre weg.

(…)

Heike: Es ist schwierig, Hofübergaben sind oft schwierig. Es gibt Mediatoren und die braucht man auch.
Werner: Ein Hof ist eine Aufgabe, aber der Weg nie derselbe.
Eckhard: Du hast das 30 Jahre in eine Richtung bewegt, und jetzt ist dem anderen das scheißegal.
Herbert: Je eher, umso besser. Damit der Junior seinen Weg findet.
Susanne: Ich habe geschafft, das als einen Satz zu formulieren: der Altenteiler mussso weit von der Hofstelle wohnen, dass man beim Besuch eine Jacke überziehen muss.

(…)

Werner: Man muss das alles positiv vermitteln. Man darf  nicht am Mittagstisch jammern.

Synchron Teller ablecken

(…)

Herbert: Ich habe damals entschieden, meinem Sohn und seiner Familie die ideelle Hälfte zu übertragen, mit der Vorstellung so kann keiner den Anderen rausschmeißen. Ich verstehe mich mit allen hervorragend, wenn ich meine Schnauze halte.

(…)

Herbert: Mein Bruder hatte immer das Gefühl, ihm ist etwas nicht gegeben worden, was ihm zusteht. Und mein Vater hatte ein schlechtes Gewissen.
Eckhard: Mein Bruder wurde mit einem Bauplatz abgefunden.
Susanne: Man kann nie gerecht vererben. Das ist so.
Svantje: Das Problem ist – wenn es wirklich Probleme gibt – dass nicht geredet wird untereinander.
Léonard: Es wird eher zu viel geredet!

Löffel als Spiegel, Haare richten

(…)

Svantje: Das Erste, was ich meinen Sohn gefragt habe, nachdem es vorbei war, war, ob die Trennungsgrundlage unser Verhalten war, ob es irgendwie mit rein spielt, weil dann würde es mir umso mehr leidtun…. Es ist ein Wechselspiel, was in diese Mehrgenerationen rein spielt, wo man sich vom ersten Tag eigentlich darüber im Klaren sein muss, wo will ich hin und wie will ich es gestalten. Bevor man dann schon die Weichen so verkorkst oder so verstellt, dass es kein Zurück mehr gibt, oder dass es vielleicht irgendwann unmöglich ist, dass die Person bei uns einzieht, was mehr oder weniger zwingend erforderlich wäre. Also, beruflich bedingt erforderlich, oder von Nutzen wäre, sagen wir mal so. Nicht erforderlich, aber es wäre von Vorteil, weil es für die Beziehung sonst wieder schwierig ist.

Anja bügelt die weiße Decke für die Tischszene.
(alle Fotos Barbara König)